Kiosk, Trinkhalle oder Büdchen gehören zu vielen Städten, doch fast an jeder Ecke entdeckt man sie im Ruhrgebiet. Die kleinen Nahversorger sind nicht zu unterschätzen. Inzwischen hat der Kiosk an der Ecke es sogar zum «Tag der Trinkhallen» und in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft.
Die ersten entstanden im 19. Jahrhundert. Mineralwasser-Anbieter boten dem Volk sauberes Trinkwasser an, denn Leitungswasser war damals ungenießbar. Außerdem war die Entlohnung der vielen Arbeiter in Form von Alkohol durchaus üblich und Trunksucht mit allen negativen Folgen ein Problem. Damit hatte das Bürgertum Probleme und sie förderten die Errichtung von Trinkhallen.
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Kiosk, Trinkhalle oder Büdchen sowie Bude
Die Illusion einer Mini-Kur mit Heilwasser versinnbildlichte auch die Häuschen. Sie ähnelten den Pavillons zur Entspannung der Adligen in Gärten. Nach allen Seiten offen und mit vielen Verzierungen.
Der bekannte Berliner Architekt Martin Gropius (1824-1880), sein Großneffe und Architekt Walter Gropius (1883-1969) war der Bauhaus-Gründer, entwarf Trinkhallen, die nur an einer Seite geöffnet waren. Die dienten als Vorbild für viele Büdchen in vielen deutschen Städten.
Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Angebot. Eine Tasse Tee, Kaffee, Milch oder Tabakwaren ergänzten das Sortiment. Später kamen Zeitungen und Zeitschriften, Stifte, Hefte, Umschläge oder Straßenbahn- und Busfahrkarten und Süßigkeiten hinzu. Heute kam man an manchen Buden auch ein kühlendes Eis erstehen oder sein Paket abholen. Den Höhepunkt der Trinkhallen-Kultur war 1960 erreicht.
Kiosk-Kult
Während anfangs Bergwerks-Witwen die Kioske betrieben, um zum Familien-Einkommen beizutragen, änderte sich das mit der Zeit. Die Zahl der Arbeiter ging zurück und zunehmend übernahmen Männer das Geschäft. Die Kultur der Kioske ist geblieben. Sie haben fast immer geöffnet und man kann schnell hinüberhuschen und sich vergessene Kleinigkeiten besorgen.
Kioske, in Berlin werden sie Spätis oder Spätkauf genannt, waren und sind Treffpunkte in der Nachbarschaft und der Umschlagplatz für Nachrichten, Klatsch und Tratsch. Kinder konnten sich dort mit einer Tüte Süßigkeiten versorgen. Und noch heute sind Buden-Betreiber gerne zu einem kleinen Schnack bereit.
Die Trinkhalle hat es zu Berühmtheit gebracht. Im Ruhrgebiet gibt es touristische Angebote wie die «Tour de Trinkhalle» mit dem Rad oder «Trinkhallen Tour» in Dortmund. Sogar ein schweres Buch «Treffpunkt Trinkhalle» mit 712 Seiten mit zahlreichen Fotos ist veröffentlicht worden. Sogar ein «Tag der Trinkhallen steht im Kalender.
Das Bundesbüdchen in Bonn, bei dem sich Politiker versorgten steht sogar unter Denkmalschutz. Das Bundesbüdchen in Berlin dagegen hat sich zum Restaurant gemausert, aber an der Bar ist die bekannte Kiosk-Front aufgebaut.



