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Tee-Zeremonie im Tee-Museum

Tee-Zeremonie im Tee-Museum im Bünting-Haus ist eine Anmeldung anzuraten. Diese Veranstaltung ist sehr gut besucht. Nach und nach trudeln die Teilnehmer im hinteren Teil des historischen Hauses ein. An gedeckten Tischen nehmen sie Platz. Darauf stehen Teetassen, Zuckerbehälter mit Kluntjes und Sahnekännchen mit winzigen Schöpfkellen.

Der Raum ist reich dekoriert. Während der Wartezeit lohnt ein genaues Umsehen. Es sind allerlei Dinge rundum um den Teegenuss zusammengetragen. Auffällig sind die vielen Teekessel in allen Variationen, die im Lichtschacht von der Decke hängen. Draußen im kleinen Gang zur Straße stehen weitere Teekessel in der Reihe an der Wand.

Tee-Zeremonie im Tee-Museum in Leer

Tee-Zeremonie im Tee-Museum

Tee-Zeremonie im Tee-Museum in Leer, Ostfriesland

Ein Bünting-Angestellter begrüßt die Versammelten. Er erzählt unterhaltsam Wissenswertes aus der Teewelt. So zum Beispiel, das die ostfriesische Art Tee zu trinken mit Kluntjes und Sahne zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden ist. Zur Teekultur gehört unabdingbar, dass es in jedem Haushalt für jeden Gast erst mal eine Tasse gibt. Die erste Tasse trank die Gastgeberin, um den Geschmack zu prüfen. Das war früher notwendig, da das Teewasser aus den Brunnen des jeweiligen Hauses kam. In der Gegend konnte die Wasserqualität sehr unterschiedlich sein und damit der Geschmack, mal moorig und mal salzig.

Die Hausfrau schenkte auch den Tee vorsichtig in Teetassen aus empfindlichem, dünnem, wertvollem Porzellan. Sie stellten in früheren Zeiten eine enorme Investition dar und wurden geschont. Ebenso wie teure Kluntjes, die mit einer Zange abgezwackt wurden.

Echten Ostfriesen-Tee kosten

Während des Erzählens schenkt eine Tee-Zubereiterin des Museums den Zuhörenden Tee ein. Immer wieder ist der Tee-Wecker zu hören, denn der Tee darf nur drei Minuten ziehen. Dazu gehört es, einen Kluntje oder Kandis in die Tasse zu geben, und den Tee nicht darauf, sondern daneben einzuschenken. Dann kommt die 30-prozentige Sahne. Mit dem kleinen Schöpflöffel wird sie vorsichtig am Tassenrand entlang in den Tee gegeben. Auf keinen Fall umrühren. Denn der Tee wird in Schichten genossen: oben der pure Tee, in der Mitte Tee mit Sahne, unten Tee mit Sahne und die Süße des Kluntjes. Übrigen die Sahnewolke heißt Wulkje. Zum Getränk gibt es Rosinenbrot oder Kekse.

Tee-Zeremonie im Tee-Museum

Eine gute Tasse Tee – ein Genuss

Während des genüsslichen Teeschlürfens, ist es wegen des besseren Geschmackserlebnisses erlaubt, erfuhren wir einiges über die Ursachen der Beliebtheit des Ostfriesen-Tees. Die Niederländer exportierten im 17. Jahrhundert den ersten Tee über die Grenze. Die Ostindien-Indien-Kompanie importierte den Tee aus Indien. Findige Kaufleute infizierten ihre Nachbarn mit dem Genuss.

Von da an ließen die Ostfriesen sich das Teetrinken von keinem mehr vermiesen. Auch nicht von Friedrich II., König von Preußen, dem das Teetrinken missfiel. Anders als die Niederlande besaß der König nämlich keine Kolonien. Auch der inzwischen in Mode gekommene Kaffee musste teuer eingeführt werden. Deutsches Geld floss ins Ausland ab. Der König versuchte, ihnen das Teetrinken zu verbieten. Sie sollten heimisches Bier trinken. Nach zwei Jahren war der „Teekrieg“ nach heftigen Diskussionen und regem Briefwechsel vom Tisch. Die Ostfriesen durften auch weiterhin ihrem Teegenuss frönen.

Tee in Zahlen

teekessel, trolley-tourist

Die Teekessel-Galerie im Bünting-Tee-Museum

Im Tee-Trinker-Ranking führen ungeschlagen die Ostfriesen mit 300 Litern Tee pro Jahr. Und das ist mehr als zehn Mal so viel wie im übrigen Deutschland. Der Tee-Konsum stellt auch die Briten in den Schatten, die mit knapp 200 Litern pro Kopf ein Drittel weniger konsumieren. Auch weltweit im Vergleich mit der Türkei oder Afghanistan sind die Ostfriesen im Norden Deutschlands ungeschlagen.

Teebeutel oder loser Tee

tees, trolley-tourist

Im Bünting Teehaus sind verschiedene Tees zu sehen

Der erst verpönte Teebeutel gelten heute als gleichwertiger Ersatz für losen Tee. Denn sie werden mit kleinen Teeblättern gefüllt, die sehr ergiebig im Aufguss sind.

Übrigens wurde der Teebeutel rein zufällig erfunden. Der US-Teehändler Thomas Sullivan verpackte seinen Tee für den Versand in kleine Seidenbeutel. Die übergossen die Kunden in der Kanne kurzerhand mit heiß Wasser. Sie dachten, das sollte so sein. Von da an verbreitete sich der praktische Teebeutel über die ganze Welt.

Die Tee-Zeremonie im Tee-Museum in Leer verging innerhalb der 90 Minuten wie im Fluge.

Weitere Informationen:
Bünting Teemuseum, Brunnenstr. 33, 26789 Leer, www.buenting-teemuseum.de
Öffnungszeiten: Mo – Sa 10 bis 18 Uhr, So 14 bis 17 Uhr (April bis Oktober)

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