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Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven

Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ist ein Erlebnis der besonderen Art. Schon vor dem Eingang sind im Pflaster Steine mit Namen eingelassen. Hinter jedem Namen verbirgt sich ein Auswanderer, der in Bremerhaven ein Schiff bestieg. Von 1830 bis 1974 reisten 7,2 Millionen Menschen nach Nordamerika, Kanada, Australien, Argentinien und Brasilien. Sie verließen allein oder mit ihren Familien ihre Heimat und suchten eine neue.

Der Rundgang durch das Museum nimmt die Besucher mit auf diese Reise. Dabei lässt zum Beispiel die Hafenszene „An der Kaje“ genau nachempfinden, wie sich die Menschen damals fühlten. Dabei hatten sie nur ihren Koffer mit den wenigen Habseligkeiten aus ihrem alten Leben. Familien stehen eng beieinander und geben sich so Halt gegen die Ungewissheit. Die Schiffswand ragt wuchtig empor. Was erwartet sie in dem neuen Land?

Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven – Luxus und Kojen

Das Auswandererhaus in Bremerhaven

Das Auswandererhaus in Bremerhaven – enge Kojen im Zwischendeck

Die ersten Schiffe waren noch Segelschiffe. Doch schon ab 1840 fuhren Dampfschiffe des Norddeutschen Lloyds die Strecke. Die Überfahrt dauerte 8 bis 15 Tage. Und die Schiffe hatten nicht nur Passagiere geladen, sondern auch Waren und Post.

Je nach Geldbeutel gab es die Luxusklasse mit ausladenden Sofas und Unterhaltung. Die Menschen mit wenig Geld reisten in engen Kojen im Zwischendeck. Die Luft war stickig und die hygienischen Verhältnisse verbesserungswürdig. Immer wieder traten ansteckende Krankheiten auf, die sich rasant in der Enge verbreiteten.

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Auswandererhaus in Bremerhaven – Mehrbettkabinen

Doch es gab irgendwann Toiletten mit Wasserspülung. Die Geschichte des Wasserklosetts ist allerdings nur zu lesen, wenn man sich auf die Toilette setzt. Gegenüber auf einem kleinen Bildschirm erscheint Wissenswertes auf Deutsch und Englisch. So auch, dass 1775 Alexander Cumming das Patent für ein Wasserklosett erhält. 100 Passagieren standen 2 Toiletten zur Verfügung!

Europäer verlassen ihre Heimat

Das Auswandererhaus in Bremerhaven

Das Auswandererhaus in Bremerhaven – im Hintergrund Klimahaus und Hotel

Zwischen 1821 und 1914 wanderten 44 Millionen Europäer nach Übersee aus. Vor allem Briten, Iren, und Deutsche verließen ihre Heimat. In den beiden Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg folgten Italiener, Russen, Polen, Slowaken, Tschechen und Serben.

Nicht nur in Bremerhaven gingen Auswanderer an Bord, sondern auch in Antwerpen, Danzig, Genua, Göteborg, Hamburg Le Havre, Liverpool, Marseille, Neapel, Rotterdam, Southampton, Stettin. Bremerhaven mit 7,2 Millionen und Hamburg 5 Millionen waren die größten Auswandererhäfen.

70 Prozent der Menschen gingen in New York an Land. In den Einwanderungsstationen prüften Angestellte die Papiere, verhörten die Ankommenden und unterzogen sie einer ärztlichen Untersuchung. Die Einreisebestimmungen waren strenger geworden. Innerhalb zwei Minuten entschieden Angestellte anhand von 29 Fragen, wer einreisen durfte und wer nicht. War es schaffte, blieb entweder in der Stadt oder fuhr weiter ins Landesinnere zu Verwandten.

Um die Jahrhundertwende gab es schnellere Schiffe und die Überfahrt verkürzte sich auf 5 Tage. Nun buchten auch Geschäftsreisende und Touristen die Passagen. Auch der Komfort verbesserte sich rapide. Statt Massenunterkünften gab es nun Mehrbett-Kabinen und einen Speisesaal.

Essen an Bord

Um 1850 war die Verpflegung an Bord schwierig. Es standen wochenlange Seereisen bevor. Die Möglichkeiten der Kühlung von Lebensmitteln waren eingeschränkt. Zu essen gab es denn auch hauptsächlich Eintöpfe mit gepökeltem Schweine- oder Rindfleisch, Sauerkraut, Speck, Hülsenfrüchten und Kartoffeln. Brot gab es nur rationiert. Zu trinken bekamen die Passagiere im Zwischendeck, Getreidekaffee, Tee, Kakao und gelegentlich Bier. Trinkwasser stand nur begrenzt zur Verfügung.

Auswandererhaus Bremerhaven - Speisekarte

Auswandererhaus Bremerhaven – Ausschnitt aus der Speisekarte

Für die Passagiere der Kajütenklasse führte man lebende Hühner, Hasen und auch Schweine mit, die an Deck geschlachtet wurden. Zu Beginn der Reise erhielten die bevorzugten Passagiere Gemüse. Es gab auch Eier, Butter, Schokolade, Bohnenkaffee und Wein.

Auf den Auswandererschiffen des 20. Jahrhunderts herrschte geradezu Luxus. Nach dem Abendessen gab es Musik, Kino, Tanz und Theater. Speisesäle gab es nur für die 1. und 2. Klasse. Die Passagiere des Zwischendecks aßen entweder an Deck oder bei schlechtem Wetter in den Kojen.

Der Bahnhof in New York

Im Grand Central Terminal wimmelte es von Menschen, die geschäftig hin und her eilten. Menschen aus Dörfern sahen zum ersten Mal Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Sie mussten sich in der völlig fremden Umgebung schnell zurechtfinden. Sehr eindrucksvoll ist die Halle des Bahnhofs. Auf Fotos ist das Gewimmel gut zu sehen.

Die Deutschen siedelten in den USA meist an der Ostküste, im Mittleren Westen sowie Texas und Kansas. Sie lebten oft auf Farmen. Später siedelten sie in die Städte und arbeiteten als Arbeiter, Angestellte und Selbstständige. Die Einwanderer und noch ihre Kinder bevorzugten deutschstämmige Nachbarn.

Einwanderer in Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg startete eine weitere Einwanderungswelle. Mit dem Wirtschaftswunder kamen Geflohene und Vertriebene aus Osteuropa nach Deutschland. Fabriken brauchten dringend Arbeitskräfte. Und sie kamen aus Italien, der Türkei und anderen Ländern. Die Wirtschaft expandierte weiter und Deutschland leidet heute akut unter Fachkräftemangel. Es herrschte immer ein reges Kommen und Gehen. So gut wie jeder hat in seiner Familie Einwanderer oder Auswanderer.

Familienrecherche

Ab Mittag 12 Uhr ist der Raum für die Familienrecherche in internationalen Datenbanken geöffnet. Hier kann jeder seinen ausgewanderten Familienangehörigen nachforschen. Vielleicht nach dem Onkel in Amerika? Wo wohnte er? Hat er eine neue Familie?

Der Besuch des Auswandererhauses in Bremerhaven hat sich gelohnt, wirklich ein Erlebnis. Das zeigen auch die Auszeichnungen

  • 2007 „European Museum of the Year Award“. Damit gehört das „German Emigration Center“ gemeinsam mit zum Beispiel dem „Victoria und Albert Museum“ in London und dem Guggenheim Museum in Bilbao zu den ausgezeichneten Museen weltweit.
  • 2008 „The Best in Heritage Award

Weitere Informationen: 
Deutsches Auswandererhaus, Columbusstraße 65, 27568 Bremerhaven
Öffnungszeiten: März bis Oktober täglich 10 – 18 Uhr, November bis Februar 10 – 17 Uhr
www.dah-bremerhaven.de

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