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Expatriates

Expatriates von einer deutschen Firma aus Chennai am Strand von Mamallapuram zu treffen,
war schon ein besonderes Erlebnis. Was ist ein Expatriate, kurz Expat genannt? Expats sind Arbeitnehmer einer heimischen Firma, die von ihrem Unternehmen für ein paar Jahre in die ausländische Niederlassung geschickt werden. Manchmal ziehen sie mit ihren Familien in den Ort oder Land.

Wir wollten eine Fisch-Suppe am Strand von Mamallapuram essen. Die Tische waren besetzt, aber ein Ehepaar bat uns an ihren Tisch. Nach einer ersten Konversation auf Englisch stellte sich heraus, dass sie Deutsche waren. Sie hatten sich für ein paar Tage im Hotel am Strand eingemietet, um dem Baulärm vor ihrer Wohnung im nahegelegenen Chennai zu entgehen. Auf der Baustelle wurde auch nachts gearbeitet, so dass an Nachtruhe gar nicht zu denken war.

Expatriates, die modernen Wanderarbeiter

Wie sich herausstellte, arbeitete der Mann bei einer deutschen Firma in Chennai. Das Ehepaar war aus Überzeugung Expats, denn sie wohnten vor Indien schon für ein paar Jahre in Russland. Ihre Wohnung lag in der Innenstadt von Chennai. Als besonderer Luxus galt der Mini-Garten. Das Leben der Expatriats spaltet sich in zwei Bereiche: Der Mann geht morgens zur Arbeit, meist als Führungskraft, die Frau darf nicht arbeiten und gestaltet sich ihren Tag. Die Gestaltung des Tages der Ehefrau interessierte mich sehr, deshalb fragte ich danach.

Der Alltag einer Expat-Frau in Chennai

Sie hatte einen Kreis von Ausländer-Frauen in ähnlichen Situationen. Gemeinsam organisieren sie ihre Tage. Sie gingen sie zum Beispiel einmal in der Woche zum Schwimmen in einem großen Hotel-Pool. Das Hotel wollte aber diese Frauen-Gruppe nicht mehr aufnehmen. Deshalb mussten die Ausländer-Frauen sich ein anderes Hotel suchen für ihren wöchentlichen Schwimm-Treff. Sie kochten gemeinsam, trafen sich zu Unternehmungen in Chennai und der näheren Umgebung oder zum Nähen. Auch veranstaltete die Gruppe Aktionen für wohltätige Zwecke. Aber in diesem Kreis waren bislang keine deutschen Frauen. Kontakte zu deutschen Frauen gezielt aufzubauen und zu pflegen, hätte sie noch keine Zeit gehabt, sagte meine Gesprächspartnerin. Ihre Bewegung in der Öffentlichkeit wäre auch sehr stark eingeschränkt. Sie geht nicht alleine auf die Straße. Außer Haus ist sie mit ihrem indischen Fahrer unterwegs, der gleichzeitig als ihr männlicher Beschützer fungiert. Frauen alleine in Indien seien Freiwild, Vergewaltigungen seien an der Tagesordnung. Eventuelle Gründe: 80 Prozent der Ehen sind arrangiert und auch oft unglücklich, viele junge, unverheiratete Männer schließen sich zu Rotten zusammen und ziehen durch die Straßen. Da sind einsame Frauen willkommene Opfer.

Die Ehefrau klagte auch über das schlechte Warenangebot in Chennai. Supermärkte gäbe es kaum. Aber Bangkok ist nicht weit entfernt. Am Wochenende könnten das Expat-Ehepaar kurz hinfliegen und dort shoppen gehen. Hätte das Ehepaar Kinder, sähe der Alltag höchstwahrscheinlich ganz anders aus. Denn dann müssen die Kinder zu internationalen Schulen gefahren werden. In den Schulen findet wahrscheinlich ein reges soziales Leben statt. Trotz der Probleme und Eingeschränktheit des täglichen Lebens in einem unterentwickelten Land hätten sie Schwierigkeiten wieder in Deutschland zu leben.

Ein Gedanke zu „Expatriates

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