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Dorfmuseum Mönchhof

Das Dorfmuseum Mönchhof ist ein Freilichtmuseum. Fällt einem das Faltblatt in die Hände, erscheint es dem oberflächlichen Touristen etwas unbedeutend. Der erste Eindruck täuscht. Ich bereute meinen Besuch nicht. Dieses Kleinod entstand aus einer privaten Sammlung und wird von der Familie Haubenwallner betrieben. Hinter deren Wohnhaus in einer Siedlung des burgenländischen Weinortes Mönchhof erstreckt sich das ansehnliche Freilichtmuseum. Auf engem Raum zeigt es das Leben, Wohnen und Arbeiten der Bauern und Handwerker am Neusiedler See. Das Leben gestaltete sich früher hart und einfach. Dem mageren Heideboden ließ sich nur mit Mühsal die Lebensgrundlage abringen. Deswegen wurde das Burgenland auch das Armenhaus Österreichs genannt. Zum Glück hat sich das gewandelt. Mit Weinbau und Tourismus können Burgenländer ihr Geld verdienen.

Ausflug-Tipp – Dorfmuseum Mönchhof

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Initiatoren und Betreiber des Dorfmuseum Mönchhof Ehepaar Haubenwallner

Es sind genügend Parkplätze vorhanden. Auch die vielen vorbeikommenden Fahrrad-Wanderer des Radwanderwegs Neusiedler See finden einen Fahrradständer. Gleich am Eingang steht ein Ungetüm. Entwarnung – es entpuppt sich als alte Weinpresse aus Holz. Im Eingangshäuschen steht Frau Haubenwallner persönlich an der Kasse. Von ihr bekam ich auch gleich einen Plan des Freilichtmuseums in die Hand gedrückt. Der ist auch nötig, denn es gibt so viele Häuser auf dem Gelände, dass der Überblick schnell verloren geht. Zur Orientierung stehen zusätzlich sehr ausführliche Schilder an den Stationen. Die versorgen den Besucher mit Informationen zum Leben, Arbeiten, Wohnen und Feiern der ehemaligen Bewohner. Die Anlage des Dorfmuseum Mönchhof gleicht einem großen U. Um nichts zu verpassen, orientiert man sich zu Anfang einfach zur linken Seite. Nach der Kirche geht es dann auf der rechten Seite am Wirtshaus vorbei zurück.

Roma – Zigeuner-Jagden, Ohren abschneiden und Kinder wegnehmen

roma-wohnwagen, dorfmuseum-moenchhof, www.trolley-tourist.deUnweit des Eingangs stehen zwei alte Wohnwagen aus Holz. Die gehörten Zigeuner-Familien, die zur Volksgruppe der Roma zählten. Die Roma hatten ein hartes, ungesichertes Leben. Manche Fürsten verboten oder erlaubten die Ansiedlung. Auf einer Hinweistafel erfahre ich, was die Roma erdulden mussten. So zum Beispiel, dass im 18. Jahrhundert regelrechte „Zigeuner-Jagden“ in vielen Orten des Burgenlandes veranstaltet wurden. Kaiser Karl VI verfügte, dass Frauen und Kindern ein Ohr abzuschneiden sei. Kaiserin Maria Theresia gab den Roma Grundstücke, doch sie sollten dafür ihr Wanderleben auf- und ihre Pferde abgeben. Später veranlasste die berühmte Kaiserin, dass allen Roma-Familien die Kinder weggenommen und Nicht-Roma-Familien zur Erziehung übergeben wurden. Die Kinder waren in ihren neuen Familien hauptsächlich billige Arbeitskräfte.

roma-wohnwagen-innen, dorfmuseum-moenchhof, www.trolley-tourist.deDie beiden Wohnwagen, der eine ist bunt bemalt, zeugen von einem Wanderleben auf engstem Raum. Schnell die Stufen der kleinen, abgenutzten Treppe hinauf und in die Wagen geschaut. Eine komplette Wohnung in einem Zimmer tut sich auf – eng, aber gemütlich eingerichtet.

Radiowerkstatt und Bein-Prothesen

Die Häuschen zeigen nicht gleich ihre Inhalte. Erst beim Betreten sind antiquarische Schätze zu entdecken, für die Sammler und Museen einiges geben würden. Die Radio- und Fernsehwerkstatt ist so eine Wundertüte. Alte Radios, Fernseher und Heizlüfter sind in den winzigen Raum gestopft. In der Ecke steht ein großes Grammophon. Die dunkelgrünen Trichter ragen in den Raum. Wer so etwas Modernes besaß, war reich.

dorfmuseum-moenchhof-bein-prothesen, www.trolley-tourist.deNebenan ist ein Häuschen mit dem Titel „Vom anderen Leben – Kriege“. Hier sind Hinterlassenschaften der Weltkriege. Dieser Raum erzeugt im Urlaub und bei Sonnenschein eine betroffene Stimmung. Zu menschlich und direkt sind die Bein-Prothesen und der schwere Soldatenmantel mit Krücke in der Ecke des Raumes. In den Regalen liegt Kriegsgeschirr und -besteck. Von Hunger und Rationierungen zeugen deutlich die Lebensmittel-, Eier-, Milch-, Kartoffel-, Erdäpfel-Einlagerungs-, Seifen- und die Zusatzkarte für Angestellte des Landesernährungsamtes Wien. Auf einem Tisch liegt eine Mappe mit Todesanzeigen. Darin blättern zwei Frauen. Sie suchen nach ihren im Krieg verstorbenen Verwandten.

Puppenwagen und Bügeleisen

Aufmunterung geben weitere Häuschen. In einem sind Kinder- und Puppenwagen sowie Spielzeug ausgestellt. Solche Dinge waren damals nicht selbstverständlich. Die Eltern spielten nicht mit ihren Kindern, sie mussten hart arbeiten. Und das gesammelte Spielzeug stammt sicherlich von bürgerlichen Familien. Arme Bauernmädchen mussten sich ihre Puppen aus Stroh- oder Stoffresten selber basteln. Nebenan stehen Nähmaschinen in der Reihe. Fertige Bekleidung für die ganze Familie war teuer. Hausfrauen mussten nähen können und die Kleidung selber schneidern.

Weiterer Hausrat ist ein Haus weiter zu sehen. Das Haus ist vollgestopft mit Geschirr, Bestecken, Waagen, Töpfen, Pfannen und Butterstampfern. Reihen von Kaffeemühlen und schweren Bügeleisen scheinen die Regale zu erdrücken. Die Decke ist vollgehängt mit Lampen für jedes Zimmer – Kronleuchter für das „gute“ Wohnzimmer, schlichtere Küchen-oder Schlafzimmerlampen. Natürlich fehlen auch die Elternschlafzimmer nicht, die sich im nächsten Haus befinden. Da die Häuser nicht über eine Zentralheizung verfügten, war es im Winter sehr kalt. So hängen denn auch gestrickte oder gehäkelte Umhänge am Fußende der Betten. Es durfte auch das übliche Bild über dem Bett nicht fehlen. Erstaunlich ist, dass Kinderbetten mit im elterlichen Schlafzimmer standen. Der mächtige Kleiderschrank passte auch noch ins ohnehin schon enge Schlafzimmer hinein. Er enthielt die Wäsche der Familie.

Schuhmacher, Fleischer, Kurzwaren und Tankstelle

dorfmuseum-moenchhof-automat, www.trolley-tourist.deIn jedes Haus hinein zu gehen, lohnt. Es gibt überall etwas zu entdecken und erzeugt so manches Mal ein Schmunzeln. So zum Beispiel die komplett eingerichtete Werkstatt eines Schumachers oder Fleischerladen, die Toilette mit einem Automaten für Familienplanung.

dorfmuseum-moenchhof-kurzwaren, www.trolley-tourist.deNett ist auch die Auslage im Schaufenster des ehemaligen Ladens von Otto Unger – Stoffe, Wäsche und Kurzwaren. Dessous und eine wärmende Unterhose in XXL prangen im Schaufenster. Geht man hinein, führt eine Treppe ins obere Stockwerk. Ich würde gerne nach oben gehen, doch die Treppe ist wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es scheint ohnehin so, als wenn das Häuschen vom ursprünglichen Standort nur kurz ins Freilichtmuseum Mönchhof umgezogen wäre. Dabei steckte sicherlich viel Arbeit für die Familie Haubenwallner dahinter. Gut dass es sie gibt, denn die Häuschen wären sonst Abriss-Baggern zum Opfer gefallen.

Das Familienmitglied Michael Haubenwallner betrieb eine Tankstelle. Zwei Tanksäulen für Diesel und Super sowie Reste der Werkstatt „Landmaschinen Mechaniker Michael Haubenwallner“ stehen an einer Schuppenwand. Ein ehemaliger Grenzübergang mit originalem Trabant 601 S davor und macht die politischen Umwälzungen gerade auch im Burgenland deutlich. Über das Burgenland kamen die ersten flüchtenden DDR-Bürger aus Ungarn.

Kirche, Bethaus, Weinkeller und Friseur

Ich lege eine kleine Pause im Garten des Wirtshauses ein. Das Freilichtmuseum ist wirklich umfangreich und so interessant. Hinter jeder einladend geöffneten Tür gibt es Unerwartetes. Der Friseur-Salon sieht eher wie ein Folterladen aus. Besonders für das Legen von Dauerwellen muss es eine Tortur gewesen sein.

dorfmuseum-moenchhof-kirche, www.trolley-tourist.deVorbei am Weinkeller und Pfarrhaus mit kleinem Weinberg geht es zur höher gelegenen katholischen Kirche. Dahinter ist ein kleiner Friedhof mit alten Metall-Kreuzen. Gegenüber hat die Konkurrenz ihr evangelisches, wesentlich schlichteres Bethaus. Auf dem Rückweg entdecke ich noch die Milchgenossenschaft, die Imkerei, das Lichtspielhaus und die Kegelbahn. Es ist unglaublich, was die Familie Haubenwallner hier auf ihrem ehemaligen Weinberg zusammen trug. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt. Im nächsten Urlaub werde ich wieder kommen und weiter stöbern. Das Dorfmuseum Mönchhof erhielt mehrfach Auszeichnungen.

Weitere Informationen: www.dorfmuseum.at

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