Palazzo Davanzati in Florenz ist aus dem 14. Jahrhundert. Wuchtig und massiv ragt das Wohnhaus mit fünf Etagen aus den Häuserschluchten hervor. Es ist eines der letzten alten Wohnhäuser ehemals reicher Familien in der Stadt.
Hier ist der Übergang von einem Wohnturm zu einem mittelalterlichen Palast zu sehen. Gleich am Eingang wird das sehr deutlich, denn Besucher stehen im Innenhof und das Treppenhaus windet sich hinauf. Es erstreckt sich durch das ganze Haus und die Bewohner waren wohl ständig auf den Treppen unterwegs. Man kann sich den Lärm und das Geklapper der Schuhe gut vorstellen.
Die Räume zeugen vom Leben und Arbeiten im Haus, denn alles fand hier statt.
Inhaltsverzeichnis
- Palazzo Davanzati in Florenz ist ein Wohnhaus
- Mittelalterliches Gebäude
- Sammlung von Handarbeiten
- Toiletten im Palazzo Davanzati
- Weitere Informationen:
Palazzo Davanzati in Florenz ist ein Wohnhaus
Der Palast erlebte eine wechselvolle Geschichte und hier ein kurzer Abriss.
- Erbaut im 14. Jahrhundert von der Familie Davizzi, Wollhändler.
- Verkauf an die Bartolini
- 1578 kaufte die Kaufmanns- und Bankiersfamilie Davanzati das Stadthaus und wohnte ein paar Jahrhunderte darin.
- 1910 eröffnete der Antiquitätenhändler Elia Volpi nach einer umfassenden Renovierung das Haus als Privatmuseum.
- 1951 kaufte der italienische Staat das Gebäude und richtete es stilgerecht ein.
- 1956 konnten Besucher das Wohnhaus in Augenschein nehmen.
Das Gebäude steht noch und musste keinem neuen Haus Platz machen.
Mittelalterliches Gebäude
Die Ausstattung der Räume belegt den Status der Familie. Besucher wandern durch den Saal für Versammlungen, das Speisezimmer, die Schlafzimmer. Es sind Toiletten oder sogenannte Behaglichkeitszimmer eingebaut, für die damalige Zeit eine absolute Seltenheit. Die Räume sind mit Bodenfliesen, Fresken, Wandbehängen und wertvollen Möbeln ausgestattet.
Die Guicciardini-Decke ist äußerst selten und kostbar. Oberflächlich betrachtet ist sie einfach nur Beige mit ein paar Nählinien. Doch dahinter steckt mehr, denn sie stammt aus dem 14. Jahrhundert aus Sizilien. Die gesteppten Stickereien stellen Szenen aus der Geschichte von «Tristan und Isolde» dar und dass bevor Wagner eine Oper daraus komponierte.

In der 3. Etage ist die Küche untergebracht, welches mich sehr erstaunte. Ich hatte die Küche wie so oft in alten Gemäuern im Keller vermutet. Doch die obere Lage machte Sinn, denn die Küchendünste konnten über die Loggia abziehen und beeinträchtigten den Hausherrn und die Kunden nicht bei der Arbeit oder Sitzungen.
Im dritten Stock sind auch die Frauenzimmer untergebracht. Es stehen Spinnräder, Webstühle und Geräte für Handarbeiten wie zum Beispiel Klöppelkissen für die Herstellung von feinen Spitzen darin. Da Frauen und Mädchen der Familie die meiste Zeit im Haus verbrachten, beschäftigten sie sich mit Handarbeiten.
Sammlung von Handarbeiten
Im Palazzo Davanzati ist in einer Etage eine außerordentliche Sammlung von Handarbeiten untergebracht, die mich besonders interessierte. Beim Schauen kann man nur die Kunstfertigkeit und die Geduld bewundern, die die Herstellung dieser Stücke erforderten. Außerdem ist es erstaunlich, dass beim damaligen Waschen und Bügeln die Stücke immer noch wie neu aussehen. Viele davon wie etwa Taufkleider mit dazu passenden Rüschenhäubchen und Schühchen sind wahrscheinlich nur kurz getragen und dann wieder sorgsam in die Truhe zur Aufbewahrung gelegt worden.
Die kostbaren Tischdecken sind meist zu Hochzeiten hergestellt und nur zu außergewöhnlichen Ereignissen ans Tageslicht geholt worden. Das erklärt wohl auch den guten Erhaltungszustand, denn helles Licht schadet Textilien.
Auch Unterkleidung und Nachthemden für Frauen gehörten mit zum Handarbeits-Repertoire, die es anzufertigen galt. Kleine Mädchen beschäftigten sich mit Sticktüchern, auf denen sie Stiche erlernten, ausprobierten und ihre Geschicklichkeit trainierten.
Als Strickerin und Stickerin stand ich nur vor den Vitrinen und schaute ungläubig. Die viele Zeit und Mühen, die solche Handarbeiten erforderten, waren einfach unermesslich. Als Beleuchtung diente Tageslicht oder Kerzenlicht. Ich könnte mir vorstellen, dass etliche Klöpplerinnen und Stickerinnen schon in jungen Jahren über Sehbeeinträchtigungen und Rückenschmerzen klagten.
Toiletten im Palazzo Davanzati
Wir klettern die engen Flure und Treppen wieder hinunter und sehen unterwegs den Behaglichkeitsraum, die Toilette. Es ist eine einfache Nische mit Sitzgelegenheit. Auf dem Plumpsklo ist ein Deckel gestülpt. So einfach wie es aussieht, so modern war eine solche Toilette damals. Aber man hatte seine Ruhe bei der Erleichterung, welches wiederum im Mittelalter für den Toilettengang sehr ungewöhnlich war.
Die kühle Loggia war leider nicht geöffnet und so stehen wir schließlich im Innenhof und die Blicke wandern empor. Das Leben der Familie spielte sich auf verhältnismäßig engem Raum ab und die Geschäftsräume des Patriarchen lagen unten, sichtbar an den drei großen Toren zur Straße hin.
Wir treten wieder auf die Straße und sind im lebhaften Gewimmel der Florenzer City.
Weitere Informationen:
Die Bargello-Museen, Palazzo Davanzati, Via Porta Rozza 13, Florenz,










