Der Windbeutel hat sich vom Oma-Gebäck zum Snack für Zwischendurch und zur Krönung eines Ausflugs gemausert. Aufgeplustert steht er im Kuchenregal und wartet auf Käufer. Die müssen sich rasch entscheiden, den am nächsten Tag schmeckt er pappig.
Tiefgefroren und aufgetaut soll er seine fluffige Konsistenz behalten. Deshalb gibt es für den Nachmittagskaffee zu Hause kleine Windbeutel in der Tiefkühltruhe.
Der Windbeutel erlebt eine Renaissance. Ausflugslokale mit Adelstiteln erfinden ständig neue Variationen von süß zu herzhaft. In ganz Europa ist der Windbeutel unter verschiedenen Namen bekannt.
Inhaltsverzeichnis
- Der Windbeutel und seine Geschichte
- Island und der Windbeutel-Tag
- USA: Windbeutel-Tag am 2. Januar
- Grundrezept Brandteig
- Weitere Informationen:
Der Windbeutel und seine Geschichte
Windbeutel werden aus sogenanntem Brandteig hergestellt, in dem verhältnismäßig viel Luft ins Gebäck gelangt und beim Backen aufgeht. Historiker fanden heraus, dass der Brandteig schon 1540 im Kochbuch auftauchte. Ein Florentiner Meisterkoch, der bei der französischen Königin Catherina von Medici wirkte, kredenzte ein aus Brandteig hergestelltes Gebäck. Das schmeckte am Hofe wohl außerordentlich gut, so dass sich der Brandteig weiterentwickelte.
Im 18. Jahrhundert kreierten Köche aus Brandteig «Proiteroles» und viele andere Gebäcksorten, die man als Verwandte des Windbeutels wie zum Beispiel «Eclairs» oder «Soufflè» bezeichnen könnte. Sie breiteten sich in ganz Europa unter verschiedenen Namen aus. So heißen Brandteig-Gebäcke in Spanien «Churros», in Österreich «Brandteig-Krapferl», in der Schweiz «Ofenküchlein» und in Großbritannien und USA «Cream Puff».
Bei der Erfindung von Zutaten und Ausgestaltungen scheint es keine Grenze zu geben. Immer wieder ist von neuen Sorten zu hören oder zu lesen.
Island und der Windbeutel-Tag
Jedes Jahr am Rosenmontag, bevor am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt, wird auf der Insel «Bolludagur» gefeiert. Das ist der Ballen- oder Windbeutel-Tag. Neben Spielen für die Kinder sind das zentrale Element die Gebäckstücke aus Brand- oder Hefeteig. Sie werden mit Schlagsahne gefüllt, mit flüssiger Schokolade übergossen und mit Puderzucker bestreut.
Das ist die klassische Variante, von der es inzwischen zahlreiche Abwandlungen gibt. Die Bäckereien haben an diesem Tag ordentlich zu tun, denn jeder Isländer deckt sich mit «Bollur» oder Ballen ein.
Bäcker aus Dänemark und Norwegen starteten im 19. Jahrhundert mit der Tradition des Bolludagur. Woher der Brauch eigentlich stammt, ist unklar.
USA: Windbeutel-Tag am 2. Januar
Wer den «National Cream Puff Day» ins Leben gerufen hat, ist ebenso unklar. Wahrscheinlich geht der Kuchen-Feiertag auf die isländische Tradition am Rosenmontag zurück.
Grundrezept Brandteig
Zutaten: 250 Milliliter Wasser,50 Gramm Butter oder Margarine, 1 Prise Salz, 130 Gramm Weizenmehl, 3 Eier
Zubereitung: Wasser mit Butter / Margarine und Salz im Topf aufkochen. Mehl schnell einrühren, zu einem glatten Teigkloss verrühren und eine Minute weiter erhitzen («abbrennen»). Vom Herd nehmen, abkühlen lassen und nacheinander die Eier unterrühren.
Den Teig in einen Spritzbeutel füllen und Rosetten auf das Backpapier geben. Im vorgeheizten Backofen 20 Minuten goldbraun backen lassen. Im Ofen auskühlen lassen, damit die luftige Struktur erhalten bleibt.
Füllung: Nach dem weiteren Auskühlen auf dem Kuchengitter waagerecht mit der Küchenschere aufschneiden und mit der gewünschten Füllung füllen und den Deckel wieder darauf stülpen.
Tipp: Statt eines Spritzbeutels lassen sich auch mit Löffeln Häufchen auf das Backblech geben, bekommen nur keine feine Struktur auf der Oberfläche.
Guten Appetit!
Weitere Informationen:
Der Windbeutel-König, Gemkensthal 1, 38707 Clausthal-Zellerfeld / OT Altenau, Harz
Windbeutel-Baron, Gasthaus Café Gralfhöhe Windbeutelbaron, Scharitzkehlstr. 8, 83471 Berchtesgaden
Windbeutel-Gräfin, Historisches Bauernhauskaffee, Brander Straße 23, 833324 Ruhpolding





Wir brauchen definitiv wieder mehr Windbeutel-Tage in Deutschland:)
Toller Fotos und Beitrag!
Schön, dass du dieses Oma-Gebäck wieder aufleben und weiterleben lässt.
Guten Appetit allen, die dieses Gebäck – oder Kuchenstück noch nicht kenne.
Hallo,
wenn man im Harz Urlaub macht, ist der Windbeutel an jeder Ecke. Das Thema ist auf mich zu gekommen.
Viele Grüße
Helga