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Im Hocken essen meistern

Im Hocken essen meistern, doch wie geht das. Ausprobiert wird das in einem ganz besonderen, etwas versteckt liegenden Lokal in einer Nebenstraße am Imam-Platz in Isfahan, dass sich „Traditional Banquet Hall“ nennt.  Der Kellner führt uns durch einen schmalen Eingang in der zweiten Etage durch das große Restaurant. Noch sind die Plätze kaum belegt, doch wahrscheinlich kommen die Deutschen wieder Mal sehr früh zum Abendessen, wie so oft. Das zeigt sich, als wir das Lokal verlassen. An allen Tischen sitzen Gäste und essen oder warten auf ihr Essen. Doch vorerst weist uns der Kellner in einem zum Ambiente der Banquet Hall passenden Outfit zu etwas erhöhten Sitzmöbeln.

Im Hocken essen meistern – Knie nach vorn, Füße nach hinten

im-hocken-essen-trolley-touristNachdem die Schuhe ausgezogen sind, heißt es hinaufklettern und mit angewinkelten Beinen Platz nehmen. Im Rücken sind Kissenrollen, die der Wirbelsäule etwas Halt geben sollen. Sehr ungewohnte Sitzhaltung für Europäer, aber auf der Reise sahen wir diese Art der bettförmigen Möbel öfter. Sehr gewöhnungsbedürftig ist es doch und etwas unbequem. Doch wir wollten traditionell Essen, also wird in der alten Art und Weise auch gesessen.

Das hölzerne Gestell ist mit bunten Teppichen belegt. Taschen und Füße verschwinden an den äußeren Rand, sodass nur die Kniespitzen in die Mitte reichen. Etwa fünf bis sechs erwachsene Personen können auf dem Möbel essen.

Ein Kellner kommt und legt eine Plastikdecke in einem durchsichtigen Blau mit Goldschriftzeichen in die Mitte auf den Teppich. Zu dem ansonsten stimmigen Ambiente passt das nun gar nicht. Aber ist wohl praktischer und verschmutzt nicht den Teppich. Ein anderer Kellner bringt Pappbecher, Pappteller, leichte Servierten und Fladenbrot. Das Fladenbrot ist in Folie eingepackt und schmeckt etwas pappig. Aber das Essen ist sehr interessant. Verschiedene Teller mit allerlei Köstlichkeiten werden in die Mitte gestellt und jeder kann sich sein Menü selber zusammenstellen. Manche Gerichte sind vegetarisch und manche mit Fleisch. Es schmeckt köstlich. Die Gewürze und die ungewöhnlichen Kombinationen daraus lassen die Gerichte für mich ungewöhnlich schmecken. Solche Zusammenstellungen an Gewürzen kenne ich nicht und probiere von jedem Teller.

Durch die geknickte Sitzstellung ist die ganze Zeit über der Bauch eingequetscht, sodass der Magen nicht so viel aufnehmen kann, wie in gerader sitzender Haltung. Schnell regt sich das Gefühl der Sättigung, obwohl noch genügend Speisen auf den Tellern liegen. Wir machen dem fragend blickenden Kellner deutlich, dass wir fertig sind. Verblüffend, wie er den Tisch abdeckt oder besser ausgedrückt abräumt. Er räumt nur das Porzellan und das Besteck von der Plastikdecke und reicht es einem Helfer, der hinter ihm wartet. Dann nimmt er die Ecken der „Tischdecke“ in eine Hand. Dadurch bildet sich zwangsläufig ein Sack, in dem

Servierten, Speisereste, Pappteller und Pappbecher zusammenkollern. Das ganze „Paket“ nimmt er hoch und bringt es wahrscheinlich zum Abfall und wir sitzen auf dem sauberen fleckenfreien Teppich. Es ist unglaublich, wie schnell und einfach das alles abläuft. Zweifellos sind die Kellner es gewöhnt, viele Gäste zur gleichen Zeit zu bedienen.

Wir brechen auf und sehen beim Hinausgehen, das es auch europäische Sitzgelegenheit gibt. Alle Plätze sind inzwischen besetzt mit Iranern und Touristen. Bei manchen Europäern ist der Gesichtsausdruck etwas gequält, wohl aufgrund der unbequemen Sitzhaltung.

Adresse: Traditional Banquet Hall, Naghshe-e-jahan Square, Isfahan, Telefon +9831 32200729
Das Restaurant hat bislang noch keine Internetseite, ist im Netz aber oft erwähnt.

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