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Helga Henschel „umschattet“, Kriminalroman

umschattet – ein Kriminalroman. Eine Frau stirbt im Krankenhaus. Die hübsche, ominöse Tote bekommt die Rechtsmedizin auf den Seziertisch. Sie nennen sie zärtlich „Elvira“. Den mysteriösen und brisanten Fall bearbeiten Kommissar Ferdinand Düwelhenke und sein Team. Der Ehemann gerät rasch in Verdacht und verschwindet spurlos. Vergiftete er ohne Skrupel seine Ehefrau? Während der Ermittlungen erfährt Düwelhenke ein düsteres Geheimnis über den Fall einer Psychopathin, die vor 180 Jahren lebte und durch Hinrichtung zu Tode kam. Ihre Taten erschütterten damals die Stadt und Europa. Fesselnde, finstere Spannung, die in seelische Abgründe zu einem überraschend-schrecklichen Schluss führt.

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Leseprobe „umschattet“, ein Kriminalroman:

Die blasse Tote lag im kargen Sterbezimmer des modernen Krankenhauses. Der Ehemann und die bitterlich weinende Mutter hatten bis zum letzten Atemzug Wache gehalten. Die fahlen Gesichtszüge des Ehemannes wirkten versteinert, eher abwesend. Mehr konnten sie für die soeben verstorbene Elvira Langelott nicht tun. Sie stellten die bereitgelegten, weißen, dicken Kerzen auf und die Mutter, Aloisia Märis, exzessive Raucherin, zündete sie mit ihrem Feuerzeug an, dass sie immer parat hatte. Mutter und Schwiegersohn falteten still die Hände und und sprachen ein kurzes, notdürftiges Gebet. Nein, gläubig waren beide nicht. Aber beide wussten kaum, wo sie ihre plötzlich überflüssigen Hände lassen sollten.

Sie saßen auf den harten, hölzernen Stühlen am Sterbebett, das mit weißen Laken steril und sauber wirkte, vor Tochter und Ehefrau. Beide fühlten intensiv das definitive Ende, den Friedhof, das Grab, den Abschluss eines fünfunddreißig Jahre dauernden, irdischen Lebens. Die Luft roch alt, verbraucht und zitronig nach Reiniger. …

… Elvira hatte schon länger gekränkelt. Sie litt unter ständigen Kopf- und Gliederschmerzen und wiederkehrenden Durchfällen. Ihr hilfloser Ehemann wusste keinen Rat und fühlte sich mit ihren häufigen Unpässlichkeiten hoffnungslos überfordert. Er brachte sie in die nächste Klinik. Es musste eine befriedigende Diagnose und einen plausiblen Grund für Elviras langwierige Krankheit geben. Sie konnte nicht einfach zu Hause auf dem Sofa im Wohnzimmer liegen bleiben und dahinsiechen. Das stete Kränkeln wünschte Georg Pielhop seiner Frau nun wirklich nicht.

Doch der intensive Geruch von Krankheit und Medikamenten durchströmte sein komplettes Haus. Es gab keinen Winkel, weder auf dem Dachboden noch im Keller, indem er es nicht roch. Diesem widerwärtigen Geruch konnte er nicht länger ausweichen. Er waberte überall. Sogar in den Kleiderschränken nahm er diesen Gestank wahr und seine frisch gewaschene Wäsche muffte schon genauso wie das Wohnzimmer. Er ekelte sich. Er musste an die frische Luft. Er musste arbeiten und seine Immobilien-Verwaltungs-Firma weiterführen, da konnte er sich nicht vierundzwanzig Stunden um sie kümmern.

Brauchte er auch nicht, denn Elvira wurde gut von ihrer Mutter Märis versorgt. Sie kümmerte sich rührend um ihr einziges Kind. Georg befand seine Schwiegermutter zwar als etwas umständlich und schlimmer noch, sie qualmte sein gemütlich und geschmackvoll eingerichtetes Arbeitszimmer mit ihren Zigaretten voll. Da er selten dort saß und seit Elviras Erkrankung noch weniger, störte ihn das weniger. Aloisia zügelte in der Gegenwart Elviras ihr Laster und ging zum Rauchen ausgerechnet in sein Arbeitszimmer. Er hatte es einmal gewagt, sie darauf anzusprechen und ihr vorgeschlagen, auf der Terrasse zu rauchen. Doch davon wollte sie nichts wissen. Sie würde sich glatt den Tod holen, meinte sie, und damit war das Thema für seine Schwiegermutter erledigt. …

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